SP begrüsst Wahlsystemkompromiss und ist bereit Initiative «90 sind genug» zurückzuziehen

Seit dem Bundesgerichtsurteil von 2019 ist klar, das Wahlsystem für den Grossen Rat muss angepasst werden. Seit Jahrzehnten setzt sich die SP Graubünden dafür ein, dass endlich ein Wahlmodus gefunden wird, der garantiert, dass jede Stimme im ganzen Kanton gleich viel zählt. Nun schlägt die Kommission für Staatspolitik und Strategie (KSS) mit dem Modell C eine Kompromissvariante vor, die dieses zentrale Kriterium erfüllt. Unter diesen Bedingungen ist die SP Graubünden bereit, ihre hängige Initiative «90 sind genug» zurückzuziehen.

Die SP hatte sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, dass alle relevanten politischen Kräfte im Kanton sich gemeinsam an einen Tisch setzen, um eine nachhaltige Kompromisslösung zu finden. Für die SP war immer klar, ein Modell, das den Kanton spaltet, die Stimmen ungleich zählt, Minderheiten noch mehr benachteiligt und Rechtsunsicherheit mit sich bringt (Modell E) kann kein Zukunftsmodel für unseren vielfältigen Kanton sein. Die SP ist daher erfreut, dass die Kommission für Staatspolitik und Strategie (KSS) nach vielen Gesprächen einen breitabgestützten Kompromiss vorlegen kann, der von fast allen Parteien getragen wird (SP, BDP, FDP, SVP, Grüne, GLP). 

Der Vorschlag der KSS ist ein auf Graubünden zugeschnittenes Wahlsystem. Die bestehende regionale Vielfalt wird erhalten und dank des fairen «doppelten Pukelsheim»-Mechanismus bekommen endlich Minderheiten auch in kleineren Wahlkreisen eine Wahlchance. Mit dem Kompromissvorschlag müssen keine Kreise und Gemeinden gespalten werden und in allen Wahlkreisen wird nach dem gleichen Wahlsystem gewählt. Dieser Vorschlag ist auch eindeutig rechtskonform, da er in diversen anderen Kantonen bereits erfolgreich umgesetzt ist (SH, SZ, ZG, AG, NW, ZH). Die SP hätte sich anstelle der bestehenden Wahlkreise die elf Regionen als neue Wahlkreise gewünscht, kann aber das Anliegen der breiten regionalen Verankerung nachvollziehen und im Sinne eines Kompromisses diese Lösung mittragen.

SP bereit zum Rückzug ihrer Initiative

2017 hatte die SP Graubünden die Initiative «90 sind genug» lanciert. Dies aus der tiefen Überzeugung heraus, dass der Grosse Rat endlich reformiert werden muss. So bestand bei den letzten Grossratswahlen im Jahr 2018 in über einem Dutzend Wahlkreisen keine (Aus)Wahl, da das bisherige Wahlsystem echten Wettbewerb verhindert. Konsequenz daraus: Im Rat sitzen primär ältere, männliche Politiker. Die Frauen, die Jugend, die Minderheiten – sie alle sind untervertreten. Die Initiative hätte durch eine Verkleinerung zu mehr Wettbewerb, zu neuen Wahlkreisen und dadurch zu mehr Vielfalt geführt. 
Unter der Bedingung, dass als alleiniger Vorschlag (keine Variantenabstimmung) dem Volk das «Modell C» (Doppelproporz in den bestehenden Kreisen) vorgelegt wird, ist die SP Graubünden nun aber bereit ihre Initiative zurückzuziehen. Die SP ist grundsätzlich nach wie vor der Meinung, dass 90 Parlamentarier*innen genügen würden. Das neue Wahlsystem garantiert aber, dass endlich in allen Kreisen Wettbewerb herrscht. Damit ist sichergestellt, dass überall Auswahl für die Bürgerinnen und Bürger bestehen wird. Die jahrelange Forderung der SP – die Erfolgswertgleichheit (jede Stimme zählt gleich) – wird mit diesem Modell endlich erreicht. 

Die SP setzt sich im Februar in Davos in der Grossratssession für diesen breit abgestützten Kompromiss ein. Es ist Zeit, dass die Querelen um das Wahlsystem endlich der Vergangenheit angehören. 

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