Das Bundesgericht erklärt das heutige Wahlrecht im Kanton Graubünden für verfas-sungswidrig. Die SP Graubünden fühlt sich bestätigt und sieht den Ball nun bei der Bündner Regierung: Es braucht eine saubere Auslegeordnung für ein verfassungskon-formes, austariertes und zukunftsfähiges Wahlrecht.

Das Urteil des Bundesgerichts ist ein Meilenstein in der Bündner Politikgeschichte. Nach Jahr-zehnten der Auseinandersetzungen wird aufgrund einer Wahlrechtsbeschwerde erstmals bun-desgerichtlich festgehalten: Das Wahlsystem in Graubünden in seiner heutigen Form ist verfas-sungswidrig. Und das trotz grosszügiger Auslegung. Die Hälfte der Bündnerinnen und Bünd-ner sind in der Wahlrechtsgleichheit verletzt. Das Bundesgericht fordert den Kanton daher auf, eine verfassungskonforme Wahlordnung zu schaffen.

Für die SP Graubünden ist klar: Die Bündner Regierung ist jetzt gefordert, eine saubere Ausle-geordnung zu machen. Das Urteil muss Anstoss sein, um das Wahlrecht in Graubünden mit einem ganzheitlichen Blick zu reformieren. Ziel ist eine Wahlordnung, die der Bundesverfas-sung standhält, die austariert und die zukunftsfähig ist. Und bei der jede Stimme möglichst gleich viel zählt. Nur so kann Graubünden die Wahlrechts-Querelen der letzten Jahrzehnte überwinden.

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Urteil des Bundesgerichtes

Die SP-Fraktion tagte unter Leitung von Fraktionspräsident Conradin Caviezel und im Beisein von Regierungsrat Peter Peyer am 29. Mai in Chur. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich in der Junisession für Fortschritt in Graubünden einsetzen: Zum einen will sie bei der Umsetzung der Gleichstellung von Mann und Frau einen entscheidenden Schritt weiterkommen zum anderen soll Graubünden bei der Klimarettung dank dem Green Deal Verantwortung übernehmen und rasch handeln.

Bei der Gleichstellung von Frau und Mann ist Graubünden auf dem Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Die SP-Fraktion erachtet es als dringend, dass der Kanton substanzielle Fortschritte macht. Um Graubündens Attraktivität als Wohn- und Arbeitskanton zu steigern, ist es an der Zeit, die Gleichstellung von Frau und Mann mutig voranzutreiben. Im Vorfeld des Frauenstreiktags vom 14. Juni werden etliche Forderungen zur Umsetzung der Gleichstellung laut. Für die SP-Fraktionsvizepräsidentin Sandra Locher Benguerel ist klar: “Für konkrete Fortschritte steht letztlich die Politik in der Verantwortung.” Diese Verantwortung nimmt die SP-Fraktion wahr und will dem Frauenstreiktag auch in Graubünden politische Wirkung verleihen. Deshalb wird sie zum Frauenstreiktag am 14. Juni einen Fraktions-vorstoss einreichen, welcher die Ausarbeitung einer Strategie sowie eines Aktions-plans Gleichstellung sowohl für die kantonale Verwaltung – die als grosse Arbeit-geberin im Kanton mit gutem Beispiel vorangehen soll – als auch ausserhalb der kantonalen Verwaltung verlangt. Darin sollen Ziele und Massnahmen definiert und im Regierungsprogramm aufgenommen werden.

Auch in der Beratung des Berichts zur Optimierung der Gerichtsorganisation wird sich die SP-Fraktion für Fortschritt und damit für die Möglichkeit der Schaffung von Teilzeitstellen an den oberen kantonalen Gerichten einsetzen. Des Weiteren unter-stützt die SP die vorgeschlagene Zusammenlegung der oberen Gerichte und begrüsst den Vorschlag der Kommission für Justiz und Sicherheit, am bestehenden Wahlverfahren festzuhalten.

Green New Deal für Graubünden
Für die SP-Fraktion ist klar: Graubünden braucht dringend einen Green Deal. Die Klimakrise ist die grösste Bedrohung für die Menschen weltweit und ganz speziell in den Alpen. Die Schülerinnen und Schüler fordern zurecht sofortige Gegensteuer. Die SP-Fraktion ist darum erfreut, dass die Regierung den Auftrag für einen Green Deal von SP-Parteipräsident Philipp Wilhelm entgegennehmen will und wird sich in der Juni-Session für dessen Überweisung stark machen. Denn rasche Investitionen in den Klimaschutz tragen den berechtigten Zukunftsängsten der Schülerinnen und Schüler Rechnung und schaffen neue Wirtschaftsperspektiven durch neue Arbeitsplätze.

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Es ist mir eine Freude und eine Ehre heute vor der Schweizerischen Gesellschaft für Parlamentsfragen zu sprechen. Vielen Dank für die Einladung! 

Im Gegensatz zu meiner Vorrednerin und meinen Vorrednern habe ich keine besonderen fachlichen oder akademischen Kompetenzen zum Thema «100 Jahre Proporzwahlrecht». Dafür habe ich als Vertreter des Majorzkantons Graubünden praktische Erfahrung in der politischen Auseinandersetzung um ein gerechtes Wahlsystem. 

Darum möchte ich ein paar Gedanken zur Idee gerechter Wahlen im 21. Jahrhundert mit Ihnen teilen. Ausgehend von meiner Grundhaltung als Proporz-Befürworter und Anhänger einer Ausweitung des Wahlrechts auf möglichst viele Menschen. Im Sinne der Transparenz muss ich betonen, dass ich damit zur politischen Minderheit hier in Graubünden gehöre. Im Gegensatz zur Bündner Regierung, der Mehrheit des Grossen Rates und auch der Mehrheit der abstimmenden Bevölkerung halte ich unser kantonales Wahlsystem für überholt und ungerecht. Wenn Sie also Argumente für den Bündner Status Quo hören möchten, müssen Sie jemand anderes fragen.

Wäre ich heute nicht hier, würde ich als Sozialdemokrat und linker Historiker in Olten das Jubiläum «100 Jahre Generalstreik» feiern. Dieses Schlüsselereignis der Schweizer Geschichte im 20. Jahrhundert war ein Aufbäumen für mehr Gerechtigkeit in unserem Land. Und es war ein zentraler Impuls für die Integration der Arbeiterschaft, der politischen Linken und der Frauen in die Institutionen der modernen Schweiz. Neben den sozialen Forderungen wie dem Achtstunden(arbeits-)tag, der AHV oder der IV formulierten die Streikenden auch zwei genuin politische Forderungen: Das Frauenstimmrecht und die sofortige Wahl des Nationalrats im Proporz. Damit machte das Streikkomitee deutlich: Die Schweizer Demokratie wäre nur vollendet, wenn auch die Frauen mitbestimmen könnten und bei der Wahl des Nationalrats alle Stimmen gleich zählen würden. Die Streikenden forderten völlig zu Recht wirklich «allgemeine» und wirklich «gleiche» Wahlen in der Schweiz. 

Wer diese Woche die Midterm-Elections in den USA verfolgt hat, konnte einmal mehr feststellen, dass auch reife Demokratien wie die Vereinigten Staaten die Grundsätze «allgemeiner» und «gleicher» Wahlen überhaupt nicht erfüllen. Ein paar aufrüttelnde Beispiele:

  • In diversen Bundesstaaten werden Vorbestrafte – auch Personen mit Bagatell-Vorstrafen – nicht zu den Wahlen zugelassen;
  • einige Bundesstaaten erschweren es weiten Teilen der Bevölkerung bei den Wahlen teilzunehmen, indem administrative Hürden wie relativ komplexe Wahlregistrierungen verlangt werden;
  • zum Teil werden sogar die Wahllokale so platziert, dass Bürgerinnen und Bürger ärmeren Gegenden weitere und beschwerlichere Wege fahren müssen, um an den Wahlen teilzunehmen.

Diese Beispiele zeigen, dass die «Allgemeinheit» von Wahlen in einigen Bundesstaaten nicht wirklich gegeben ist. Aber auch die «Gleichheit» der amerikanischen Wahlen ist stark in Frage gestellt:

  • Obwohl die Demokraten zum Beispiel im Bundesstaat North Carolina über 50% der Stimmen erhalten haben, stellen sie nur 3 von 13 Abgeordneten dieses Staates und sind somit nur zu 23% repräsentiert;
  • die machtpolitisch gestaltete Wahlkreiseinteilung in vielen Staaten, das sogenannte Gerrymandering, wurde bei der letzten Wahlkreiseinteilung 2010 dazu benutzt, die Einteilung so vorzunehmen, dass die Demokraten selbst bei einer Mehrheit der Stimmen, nicht zu einer Mehrheit der Sitze im Repräsentantenhaus kommen. Dieses Jahr gelang dies, da der Wahlsieg derart deutlich und breit abgestützt war, dass auch die vorteilhafte Wahlkreiseinteilung den Republikaner nicht genug «Schutz» bot. Wir erinnern uns aber: Auch 2016 gewannen die Demokraten insgesamt mehr Stimmen als die Republikaner und trotzdem verloren sie das «House» genauso wie Hillary Clinton die Präsidentschaft verlor, obwohl sie insgesamt mehr Stimmen holte als Donald Trump.

Wir sind uns wohl (fast) alle einig: Die Wahlen in den USA sind nicht gerecht. Weil sie faktisch nicht für alle offen und somit nicht wirklich «allgemein» sind. Und weil nicht alle Bürgerinnen und Bürger die gleiche Stimmkraft haben, also bei der Stimmabgabe nicht wirklich «gleich» sind. 

Wie sieht es bei uns aus mit den Kriterien «Allgemeinheit» und «Gleichheit» von Wahlen? Sind unsere Wahlen im Gegensatz zu denjenigen in den USA gerecht?

Die Proporzwahlen für den Nationalrat sind sicher eine gute Annäherung an die Idee gerechter Wahlen – zumindest was ihre «Gleichheit» angeht. Denn unsere Proporzwahlen kommen dem verfassungsmässigen Grundsatz der Wahlrechtsgleichheit recht nahe. Dieser Grundsatz kennt gemäss Lehre und Rechtssprechung drei Prinzipien:

  1. Die Zählwertgleichheit, die besagt, dass alle Stimmen gleich gezählt werden müssen (one person, one vote);
  2. die Stimmkraftgleichheit, die verlangt, dass ein möglichst gleichmässiges Verhältnis von Sitzen und Einwohnerschaft in möglichst allen Wahlkreisen herrscht;
  3. die Erfolgswertgleichheit, die fordert, dass möglichst alle Stimmen in gleicher Weise zum Wahlergebnis beitragen müssen.

Leider gelten diese Prinzipien nicht in allen Kantonen. In Graubünden haben wir für die kantonalen Parlamentswahlen bekanntlich keinen Proporz. Wir haben ein Majorzwahlsystem mit 39 sehr unterschiedlichen Wahlkreisen. Neben einer Vielzahl von Einerwahlkreisen sehr unterschiedlicher Grösse – der Wahlkreis Bergell ist etwa 10 Mal grösser als der Wahlkreis Avers, die beide je einen Sitz im Grossen Rat haben! – kennen wir auch grosse Kreise wie Chur mit 20 Sitzen oder den Kreis Fünf Dörfer mit 12 Sitzen. 

Diese Kombination – sehr unterschiedliche Wahlkreisgrösse und Majorzsystem – führt zu extremen Verzerrungen der Stimmkraftgleichheit und verunmöglicht die Erfolgswertgleichheit gänzlich. Eine Wählerin im Kreis Avers hat 10 Mal mehr Stimmkraft als eine Wählerin im Bergell. Und obwohl die SVP bei Nationalratswahlen im Kanton die mit Abstand stärkste Partei ist, hat sie im Grossen Rat nur 9 von 120 Abgeordneten. Die ungleiche Stimmkraft und die Verzerrung der Repräsentanz bei den Bündner Parlamentswahlen ist schlicht und einfach ungerecht!

Nicht nur in Graubünden, auch auf nationaler Ebene gibt es Gerechtigkeitsdefizite bei Wahlen. Der Proporz ermöglicht zwar mehr «Gleichheit» bei der Stimmkraft. Aber er garantiert nicht wirklich die «Allgemeinheit» der Wahlen. Denn er sagt nichts zum Wahlkörper. 

1919 fanden die ersten Proporzwahlen für den Nationalrat statt. Sie waren sicher gerechter als die letzten Majorzwahlen im Jahr 1917. Aber waren sie gerecht? Nein. Denn die Frauen, rund 50% der erwachsenen Bevölkerung, waren davon ausgeschlossen. Dieses enorme Gerechtigkeitsdefizit wurde in unserem Land erst 1971 beseitigt. 

Heute kennen wir ein ähnliches Gerechtigkeitsdefizit. Rund ein Viertel unserer erwachsenen Bevölkerung ist von den Wahlen (und übrigens auch von den Abstimmungen) ausgeschlossen. Ich spreche natürlich von der ständigen ausländischen Bevölkerung. Diese Menschen leben dauerhaft hier, zahlen hier Steuern, sind den hiesigen Gesetzen und Pflichten unterworfen, können hier aber nicht mitbestimmen und sind auch nicht in den Parlamenten repräsentiert. Das ist aus demokratischer Sicht eigentlich nicht haltbar. Wollen wir den Anspruch auf ein «gleiches» und «allgemeines» Wahlrecht für das 21. Jahrhundert aufrechterhalten, werden wir nicht darum herumkommen, dieses Defizit zu beseitigen. Wie wir das tun – ob mit einer grossen Einbürgerungsoffensive oder mit einem System des Ausländerinnen- und Ausländerstimmrechts sei hier nicht vorweggenommen. Das Demokratie- und Gerechtigkeitsproblem muss aber angesprochen und dessen Lösung angepackt werden.

In diesem Bereich möchte ich den Kanton Graubünden übrigens loben. Ich bin stolz darauf, dass unsere Kantonsverfassung den Gemeinden die Möglichkeit gibt, zumindest auf Gemeindeebene das Ausländerinnenstimm- und Wahlrecht einzuführen. Rund ein Fünftel der Bündner Gemeinden hat dies getan. Damit ist unser Kanton zumindest in diesem wichtigen Bereich fortschrittlicher als die grosse Mehrheit der Deutschschweiz!

Insgesamt sind wir als Land in diesem Bereich aber noch ziemlich im Rückstand. Dabei müssen wir bedenken: Die amerikanische als erste bürgerliche Revolution wurde mit dem Slogan «no taxation without representation» lanciert. Die Kraft dieser Botschaft ist bis heute ungebrochen, wenn es darum geht, gleiche politische Rechte zu erkämpfen und die Demokratie auszuweiten. Keine (Steuer-)Pflichten ohne (Mitbestimmungs-)Rechte!

Vor hundert Jahren streikten die Menschen in der Schweiz für das Frauenstimmrecht und den Proporz. Heute wissen wir: Beide Forderungen waren richtig. Sie waren die Grundlage für die politische Gleichberechtigung aller Schweizerinnen und Schweizer und für die Integration der Frauen und der Arbeiterschaft in unseren Staat. Dank dem Generalstreik und seinen Forderungen ist unsere Demokratie gewachsen.

Heute müssen wir uns für die politische Gleichberechtigung aller ständigen Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz und für die Integration der eingewanderten Bevölkerung in unseren Staat stark machen. Unsere Demokratie kann und soll weiter wachsen! 

Friedrich Dürrenmatt bringt in seinen «Physikern» die Idee der Demokratie auf den Punkt: «Was alle angeht, können nur alle lösen.» Das stimmt und passt perfekt zum demokratischen und konkordanten Selbstverständnis der Schweiz. 

Wenn wir diese Idee von Demokratie ernst nehmen, ist die Auseinandersetzung für gerechte Wahlen noch lange nicht zu Ende. Denn wir können nicht akzeptieren, dass rund ein Viertel unserer ständigen Bevölkerung nicht dabei ist, wenn es darum geht, das zu lösen, was wirklich alle angeht!

Dieses Referat wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Parlamentsfragen vom 10. November 2018 in Chur gehalten.

Die SP Graubünden hat die heute von der neu gewählten Regierung beschlossene Departements-Verteilung zur Kenntnis genommen. Unser Regierungsrat Peter Peyer wird künftig das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (DJSG) führen. Die SP Graubünden freut sich über die grosse Rochade, die ein Potential für neue Dynamik in Graubünden in sich birgt. Zum ersten Mal wird ein SP-Regierungsrat für ein anderes Ressort als die Erziehung zuständig sein. Die SP Graubünden und ihr Regierungsrat Peter Peyer erhalten so die Möglichkeit, fortschrittliche Politik in neuen und für Graubünden wichtigen Politikfeldern durchzusetzen.

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Positionspapier «Neustart für Graubünden» (pdf)
Pressemappe zum Parteitag (pdf)

Die SP Graubünden läutet am ausserordentlichen Parteitag die Schlussphase des Wahlkampfes ein. Die anwesenden Mitglieder verabschiedeten ein Positionspapier mit zehn konkreten Forderungen für den Neustart in Graubünden. Unter anderem werden eine faire Steuersenkung, Investitionen in die familienergänzende Kinderbetreuung und konkrete Massnahmen gegen den Filz gefordert. Regierungsratskandidat Peter Peyer wandte sich mit einer Rede an die anwesenden Mitglieder. Konkrete machte er drei Wahlversprechungen: Hartnäckig wolle er für seine Ideen und Werte in der Regierung kämpfen, im richtigen Moment den Kompromiss anvisieren, die Kollegialität hochhalten und stets offen, ehrlich und verbindlich kommunizieren.

Der Baukartell-Skandal erschütterte in den vergangenen Tagen unseren Kanton. Die Position der SP war in den letzten Tagen klar: Es braucht Aufklärung. Es braucht eine PUK. Die GPK wird dem Grossen Rat beantragen, eine PUK einzusetzen. Das ist auch ein Erfolg unserer klaren Haltung.

Die Aufklärung ist aufgegleist. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten jedoch bleiben bestehen. «Es ist wichtig, dass Graubünden aus dem Kartell-Skandal lernt und einen Aufbruch für mehr Fortschritt wagt», sagte Parteisekretär Lukas Horrer. Es braucht vor allem Investitionen in Bildung, Kultur und Forschung. Und mehr Pioniergeist bei Digitalisierung und Klimaschutz, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die anwesenden Mitglieder verabschiedeten einstimmig zehn konkrete Forderungen für den Neustart in Graubünden. Das Positionspapier findet sich in der Pressemappe. Unter anderem wird eine faire Steuersenkung, Investitionen in die familienergänzende Kinderbetreuung und konkrete Massnahmen gegen den Filz gefordert.

Peyer: «Das wahre Graubünden stärken!»
Regierungsratskandidat Peter Peyer sprach zu den anwesenden Mitgliedern. In Sachen Baukartell brauche es Transparenz und Aufklärung. «Aufklärung ist Grundvoraussetzung für neues Vertrauen. Aber Aufklärung alleine genügt nicht. Es braucht mehr», so Peyer weiter. Graubünden brauche politische Ideen, Konzepte und ihre Umsetzung. Die BündnerInnen müssen spüren, dass die Politik Resultate liefert, die ihr Leben verbessert. Und die restliche Schweiz müsse sehen, dass Graubünden eine Regierung und ein Parlament hat, die die Herausforderungen der Zeit engagiert und fortschrittlich anpacken.

Die Umfrage zeigt, dass das Rennen offen ist. Umso wichtiger ist es, dass die Kandidaten den verbleibenden Wochen nochmals aufzeigen, um was es bei diesen Wahlen gehen wird. Für Peyer ist klar: Graubünden braucht die höchste Lebensqualität. Das heisst anständige Löhne, bezahlbaren Wohnraum und mehr günstige Krippenplätze. Graubünden braucht auch mehr Pioniergeist. Pioniergeist bedeutet, nicht an alten Rezepten festzuhalten, sondern die Herausforderungen der Zukunft engagiert anzugehen: Digitalisierung und Klimaschutz. Und: Mehr Chancen für alle BündnerInnen. Das heisst unter anderem gleicher Lohn für gleiche Arbeit und mehr Frauen an Stellen, wo entschieden wird.

Peyers Engagement gilt seit jeher jenen, die vieles richtig machen im Leben, sich beteiligen, sich an die Regeln halten, hart arbeiten, und trotzdem das Gefühl haben, nicht vom Fleck zu kommen. Und es gilt denjenigen, denen es zwar gut geht, die aber in einem fortschrittlichen und lebenswerten Kanton leben wollen. Dazu zählen nicht nur SP-Anhängerinnen und Anhänger. Viele liberale, konservative, christlich- oder bürgerlich demokratische Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die selten oder nie SP wählen, wollen Fairness, Ausgleich und eine breit abgestützte Regierung. Sie schätzen die Meinungsvielfalt, den Respekt vor den Institutionen und den politischen Wettbewerb um die besten Lösungen. «Auf diese Menschen wird es in den kommenden drei Wochen ankommen. Mit diesen Menschen will ich im Wahlkampf sprechen. Um ihre Stimmen will ich werben», sagte Peyer.

Die Bündner Regierung will die verwaltungsinternen Vorfälle um den Baukartellskandal von unabhängiger Seite untersuchen lassen. Die SP Graubünden begrüsst dies ausdrücklich. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Gleichzeitig ist für die SP Graubünden klar, dass auch das Parlament in der Verantwortung steht. Der Grosse Rat ist letztlich Prüfinstanz mit klarer Aufsichtspflicht. Die Tragweite des Skandals ist enorm, der Schaden für Graubünden und die Steuerzahlenden gross. Darum hält die SP Graubünden in aller Form an ihrer Forderung nach einer Parlamentarischen Untersuchungskommission PUK fest. Die kommenden Monate müssen Monate der lückenlosen Aufklärung werden. Es geht um viel. Um die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen.

Neben den Untersuchungen braucht es auch politische Schritte. Denn die wirtschaftliche Lage bleibt auch nach der Aufdeckung des Kartell-Skandals schwierig. Graubünden braucht einen wirtschaftspolitischen Aufbruch, ohne Filz und illegale Netzwerke. Dazu braucht es neue Köpfe in der Politik. Und es braucht Investitionen in Kultur, Bildung und Forschung. Das stärkt die Innovation, die Grundlage des wirtschaftlichen Wachstums. Die SP wird in den kommenden Wochen konkrete Vorschläge präsentieren.

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Die SP Grossratsfraktion traf sich am 29. Januar 2018 zur Vorbereitung der Februarsession in Chur. Unter der Leitung von Fraktionspräsident Conradin Caviezel und im Beisein von Regierungsrat Martin Jäger wurden die Geschäfte beraten.

Umfassend wurden die Chancen und Risiken des elektronischen Wählens diskutiert. Grossmehrheitlich wird die SP der vorliegenden E-Voting Botschaft zustimmen. Eine zusätzliche, einfache und bürgernahe Möglichkeit am demokratischen Prozess teilzunehmen, begrüsst die SP im Grundsatz. Im Zeitalter der Digitalisierung ist eine Erweiterung der Stimmkanäle angebracht. Vor allem hinsichtlich der Sicherheit wurden jedoch auch kritische Bemerkungen vorgebracht. Ein grosses Vertrauen der Bevölkerung in das neue System wird nötig sein. Es muss daher eine zentrale Aufgabe der kantonalen Behörden sein, das neue System transparent und umfassend der Stimmbevölkerung zu erklären und allfällige Sicherheitsbedenken prioritär anzugehen resp. wenn nötig auszuräumen. Weiter wurde auch über das damit nun verbundene frühzeitige Anmeldeverfahren bei Majorzwahlen diskutiert. Für Exekutivwahlen ist dies unproblematisch, hinsichtlich der Grossratswahlen ist es jedoch wenig kompatibel mit unserem antiquierten Majorz-Wahlsystem. In Kleinstkreisen kann nicht mehr flexibel auf eine spezielle Ausgangslage reagiert werden. Die neue Technologie des E-Votings ist bei Parlamentswahlen in erster Linie für Proporz- und nicht für Majorz-Wahlen in Kleinstkreisen geeignet. Einmal mehr zeigt sich, dass bzgl. Wahlsystem Handlungsbedarf besteht.

Seit mehreren Jahren setzt sich die SP für mehr Transparenz der politischen Behörden ein. In diesem Sinne hat die SP-Fraktion mit Genugtuung den Vorschlag der Präsidentenkonferenz zur Umsetzung eines Live-Streams im Grossratsgebäude zur Kenntnis genommen. Der vorliegende Vorschlag ist eine gute Kompromisslösung – keine Minimal-, aber auch keine Luxusvariante. Der ursprüngliche Impuls für eine Live-Stream Übertragung geht auf den Churer SP Grossrat Conradin Caviezel zurück. Nach über zwei Jahren Bearbeitungszeit ist es nun höchste Zeit für die definitive Umsetzung.

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